Keine Geschlechterrollen, sondern Gene also. Nicht nur weil sie bestimmen, welches Geschlecht wir haben und manchmal leider auch welche Krankheit, sondern weil das Wissen über bestimmte Gene wohl einer der am stärksten expandierenden Bereiche der Naturwissenschaft ist. Und mit dem Wissen kommt eben auch Macht, Verantwortung und das Potential zum Missbrauch. Um davon also nicht überrollt zu werden, sondern auf qualifizierte Weise mitzubestimmen, was denn die moderne Biotechnologie so dürfen soll und was lieber nicht, muss man meines Erachtens verstehen, wovon man spricht. Oder eben auch wovor man Angst hat und/oder sich schützen will. Als Versuch also, dem interessierten Leser einen Bezug zu Genen zu erlauben, ist dieser Blog gedacht. Jede Woche - soweit es mein Zeitplan zulässt - schreibe ich einen neuen kurzen Artikel über ein Gen. Vielleicht weil gerade eine neue spannende Studie zu einem Gen veröffentlicht wurde oder auch um zu vermitteln, dass es Klassiker unter den Genen gibt, mit denen man sich Jahrzehnte beschäftigen kann ohne dass es langweilig wird. Bei den etwa 20.000 Genen, die der Mensch hat, wird mir das Material jedenfalls nicht so schnell ausgehen.

DNA wird gerne äußert monumental dargestellt. Ist auch nachvollziehbar, wenn man sich mal vorstellt, was dieses Molekül alles leistet. Es ist die Substanz, aus der unsere Gene aufgebaut sind. Allen Lesern allerdings, denen nicht 100% klar ist, wie sich beispielsweise die Begriffe DNA, Gen oder Genom zueinander verhalten seien die folgenden kurzen Hintergrundartikel nahe gelegt:

Was ist also ein “Gen? Woraus besteht es? Wo beginnt es, wo hört es auf? Wie viele gibt es?

Das (humane) Genom. Wie ist es aufgebaut? Welche Bedeutung hat es für uns?

Kleiner Zellbiologie (Ex)kurs. Waraus besteht eine Zelle? Wie spielen all diese Zellen zusammen um einen gesamten Organismus aufzubauen?

DNA-RNA-Protein. Was genau ist DNA, und was RNA? Wie spielen sie zusammen?

Gentechnologie. Worum geht es in diesem gigantischen Forschungs- und Industriebereich? Was ist von Biotechnologie in der Zukunft noch zu erwarten; was zu befürchten?

 

Ich, das ist Theresa, etwa 30 Jahre alt und auf dem Weg irgendwie irgendwann einen Doktortitel zu erarbeiten. Ihr Dissertationsthema dreht sich dabei um die Frage, wie bestimmte Transkriptionsfaktoren, d.h. Proteine, die an die DNA binden und dort die Aktivität vieler anderer Gene steuern können, dazu beitragen, dass sich funktionsfähige Nervenzellen bilden.

 

Nach der Befruchtung beginnt sich eine Eizelle zu teilen und bildet einen Zellhaufen, in dem zunächst alle Zellen gleich aussehen. Doch irgendwann ist eine rudimentäre Körpergestalt zu erkennen, an einem Ende bildet sich ein Kopf, am anderen ein Schwanz usw. Die Zellen entwickeln sich zu verschiedenen Zelltypen, die später, an einer bestimmten Position im Körper bestimmte Funktionen ausüben: eine beta-Zelle der Bauchspeicheldrüse produziert Insulin, während eine Hautzelle zu einer mechanischen und chemischen Schutzschicht beiträgt. In der (Entwicklungs)biologie nennen wir diesen Prozess Differenzierung.