So, letzte Woche wurde er also publiziert. Für die Einen der Durch-, für die Anderen der Tabubruch. Forscher und natürlich auch -innen rund um den umstrittenen Stammzellguru Shoukhrat Mitalipov haben eine schwere Erbkrankheit aus menschlichen Embryonen rausgeCRISPRt. CRISPR, das wissen mittlerweile hoffentlich die meisten meiner Leser, ist diese "Genschere", die man so designen kann, dass sie an (fast) jeder beliebigen Stelle des Genoms einen DNA-Doppelstrangbruch erzeugen kann. Wenn man gleichzeitig mit diesem, gegen ein bestimmtes defektes Gen programmierten, CRISPR nun eine "gesunde" Variante dieses Gens in eine Zelle einschleust, hat man eine hohe Chance, dass diese Zelle das krankmachende Gen durch die korrekte Variante austauscht. Und wenn diese Zelle nun eine befruchtete Eizelle ist, dann werden alle Nachkommen dieser Zelle und damit der gesamte Organismus die reparierte Genversion in sich tragen. Mitalipov und seine Leute haben auf genau diese Art und Weise in menschlichen Eizellen eine Mutation im MYBPC3-Gen repariert. Diese MYBPC3 MUtation ist für fast die Hälfte aller Fälle der Hypertrophen Kardiomyopathie verantwortlich. Das war der Fachzeitschrift Nature diese Woche ein Artikel mitsamt erheblicher begleitender Berichterstattung wert. Das Problem, das ich dabei habe ist: eine derartige Reparatur ven Erbkrankheiten in menschlichen Embryonen wurde in den vergangenen zwei Jahren bereits dreimal von chinesischen Wissenschaftlern beschrieben aber niemals in einer derartig hochkarätigen Zeitschrift publiziert. Der common sense in der westlichen Forschungsgemeinschaft war, dass man an menschlichen Embryonen erstmal noch nicht rumCRISPRn sollte. Nun macht also Mitalipovs Gruppe, die in Portland in den USA sitzt, genau das, und es wird ein dicker Artikel daraus gemacht.