Wir sind mal wieder Olympia! Topathlethen dominieren ihre Disziplinen, hektisches Umschalten zwischen Berichten an etlichen sportlichen Schauplätzen dominiert die Fernsehprogramme bis in die frühen Morgenstunden. Es hagelt Edelmetall in allerlei Disziplinen, von denen der normalsterbliche Zuschauer bis gerade eben nicht wusste, dass sie existieren. Die teilnehmenden Athleten jedoch trainieren Tag und Nacht für dieses Ereignis. Allerdings werden Medaillen mittlerweile regelmäßig auch wieder aberkannt: soeben musste der kirgisische Gewichtheber Issart Artykow seine Bronzemedaille wieder abgeben. In seinen Proben wurde Strychnin nachgewisen, was der eine oder andere Leser durchaus kennen könnte: es ist der Wirkstoff in handelsüblichem Rattengift. Man wundert sich vielleicht ein bisschen; aber irgendwie auch nicht: klar, Dosis macht bekanntlich das Gift und dopen tun sie doch alle! Man muss eben nur aufpassen, dass man die Grenzwerte der weithin bekannten Substanzen nicht überschreitet. Aber was, wenn wir in Zukunft noch eine ganz andere Art des Dopings zur Verfügung hätten? Was, wenn wir in unser Erbgut eingreifen könnten um uns leistungsstärker zu machen? Nun, in jedem Fall würden wir wohl bei dem außergewöhnlichen Gen Myostatin anfangen.

Etwas, das in Einführungsvorlesungen zu Genetik oder Entwicklungsbiologie immer wieder zur Belustigung beiträgt ist die Namensgebung bei den Genen. Führende Molekularbiologen sind - obwohl sie meist viel Zeit im Labor verbringen - eben auch nur Menschen und haben Kindheitserinnerungen, schauen manchmal Fernsehen oder spielen Computerspiele. So heißt, beispielsweise eines der wichtigsten Gene, welches in der Embryonalentwicklung festlegt, wo bei uns die Bauchseite und wo die Rückenseite entsteht sonic hedgehog. Und trotz vielerlei Anstrengungen, die Gen-Nomenklatur zu vereinheitlichen, ist dies de facto nicht gegeben. So trägt ein Gen oft mehrere Namen, darunter eben solche, die der Fantasie, Vorliebe oder spontanen Assoziation des Forschers entsprungen sind. Besonders die Fruchtfliegen-Genetik hat viele merkwürdige Gennamen hervorgebracht, wie zum Beispiel ken and barbie, spätzle, gurken, cappuccino, pavarotti oder van gogh. 1995 wurde dann in der prestigeträchtigen Zeitschrift Nature, die Beschreibung eines Gens veröffentlicht, welches die Forscher Pokemon nannten. Noch im selben Jahr allerdings mussten Sie den Namen zurückziehen. Nintendo hatte Beschwerde eingereicht, da das Gen mit Tumorwachstum in Zusammenhang stand und die Firma Imageschaden befürchtete. Das Pikachurin Gen hingegen, welches auch den sehr viel weniger eingänglichen Namen EGFLAM trägt, wird noch bis heute so genannt (zuletzt zb hier).

In diesem Artikel geht es gleich um vier Gene: Oct4, Sox2, Klf4 und c-Myc sind die Namen von vier Transkriptionsfaktoren, die hinter der Vergabe des Nobelpreises für Medizin des Jahres 2012 stehen. Die Geschichte hinter den Genen wiederum begann im Jahr 2006 und zwar ursprünglich mit 24 Stück. Diese 24 Gene hat ein Mitarbeiter von Shinya Yamanaka an der Kyoto Universität in Japan in Zellen von adulten Mäusen eingebracht. Und endlich vollzog sich das Wunder, von dem sich Yamanaka selbst nicht sicher war, ob es passieren kann. Durch das Mikroskop ließen sich in den Kulturschalen Kolonien erkennen, die Zellen teilten sich also. In aller Regel sollten sich Zellen aus erwachsenen Tieren oder Menschen nicht teilen. Wenn sie es doch tun wird es gefährlich, denn es handelt sich dann um Tumorwachstum. Aber neben Krebszellen gibt es noch einen anderen ganz besonderen Zelltyp, der sich teilt und daher Kolonien bildet, nämlich Stammzellen.

Es war eines der mysteriösesten Rätsel in der neueren Medizingeschichte, als in den frühen 1980er Jahren vormals gesunde junge Männer in Los Angeles eine seltene Form der Lungenentzündung entwickelt hatten. Etwa zur selben Zeit tauchten in New Yorker Kliniken ebenfalls junge Männer auf, die eine noch seltenere Form von Krebs, das sogenannte Kaposi-Sarkom aufwiesen. Beiden Krankheiten schien eine erworbene Immunschwäche zugrunde zu liegen und der erste Zusammenhang, der relativ schnell festgestellt wurde, war die homosexuelle Orientierung der Patienten. Innerhalb der folgenden paar Jahre, während denen die Erkrankung jeden Kontinent der Welt erreicht hatte und die Anzahl der Todesopfer bereits in die Tausende gestiegen war, wurde ein Virus als ihre Ursache identifiziert, das Humane Immundefizienz-Virus, oder HIV.

Diese Woche geht es um ein Gen, dem man eigentlich einen ganzen Blog, ganze Bücher, Zeitschriften oder Studiengänge widmen könnten. Dabei kannte dieses Gen bis 2012 so gut wie niemand. Seither allerdings macht es Karriere, wie vermutlich noch nie ein Gen zuvor. Es existiert mittlerweile in nahezu jedem molekularbioloigschen Labor in vielen verschiedenen Varianten. Denn Cas9 steht für "CRISPR associated 9" und ist das Herzstück einer Technologie, die gerade das Forschungfeld von Grund auf verändert. Naturwissenschaftler haben oft besondere Freude an griffigen Abkürzungen für äußert technische Beschreibungen und so steht CRISPR für Clustered Regularly-Interspaced Short Palindromic Repeats.