Ich persönlich bin ja eine große Freundin von Bärten. Daher hab ich dieser Tage mit großem Interesse ein Paper gelesen, das letzte Woche in Nature Communications erschien. In dieser Studie haben Genetiker des University College London das Erbgut von über 6000 Lateinamerikanern auf Abschnitte untersucht, die gemeinsam mit bestimmten Haarwuchs-Charaketristiken auftraten. Dabei haben Sie Varianten in einer Reihe von Genen gefunden, die mit krausem bzw. glattem Haar, buschigen und/oder zusammengewachsenen Augenbrauen, Haarfarbe, Haarausfall, Ergrauung oder eben dichtem Bartwuchs assoziiert sind. Interessanterweise war eines der mit dichtem Bartwuchs in Zusammenhang stehenden Genen FOXP2, ein Transkriptionsfaktor über den schon jede Menge publiziert wurde, wenn auch in einem völlig anderem Zusammenhang.

Forkhead box protein P2 (FOXP2) ist ein Transkriptionsfaktor, das heißt er bindet an DNA und schaltet dort die Expression anderer Gene ein oder aus. Wirklich interessant wurde FOXP2 erstmals, als das Gen Ende der 1990er Jahre bei Untersuchungen an einer Londoner Familie auftauchte, in der viele Angehörige unter Sprachstörungen litten. Und wenn ein Gen interessant wird, gibt es ganz bestimmte naheliegende Experimente, die sich fast immer an eine solche Erstbeschreibung anschließen.

Zunächst ermittelte man mit einer Methode namens in situ Hybridisierung die Gewebe in denen das FOXP2-Gen exprimiert, also abgelesen wird. Dabei fand man heraus, dass besonders Nervenzellen des Gehirns, die am Erlernen von Bewegungsabläufen beteiligt sind, FOXP2 exprimieren. Zwei jahre später wurde dann die FOXP2 knock-out Maus publiziert, das heißt Forscher untersuchten Mäuse in der gezielt das FOXP2 Gen kaputt gemacht wurde. Es konnte gezeigt werden, dass diese Mäuse signifikant andere Ultraschall-Rufe produzieren. Nun wurde das Thema erst so richtig heiß, denn hier hatte man eine klare Verbidnung zwischen dem Mausmodell und den humangenetischen Daten: veränderte "Sprache".

Im Jahr 2009 wurde dann die wohl prominenteste Arbeit in diesem Feld publiziert: Forscher hatten in Mäusen die Mausvariante des FOXP2 Gens durch die menschliche Variante des Gens ausgetauscht. Dabei ging es lediglich um einen Unterschied von zwei Aminosäuren in der Proteinsequenz des 714 Aminosäuren langen FOXP2 Gens. Und obwohl dieses Protein also nur marginal verändert wurde, konnten die Experimentatoren auch in diesen Mäusen veränderte Ultraschall-Rufe ausmachen. Zudem zeigten die Mäuse veränderte Nervenzell-Morphologie, Neurogenese, Transmitterlevels und bestimmte Verhaltensanomalien.

Wie dies durch den nur minimal veränderten Transkriptionsfaktor FOXP2 zu erklären ist, ist Gegenstand aktueller Forschung. Und wie all das nun mit Bärten zusammenhängt, wissen wir auch noch nicht...